Das Geheimnis der verschwundenen Erde
Löcher im Blumenbeet, ein verschluckter Kugelschreiber und ein Briefkasten im Garten – die fünf Gurkenfreunde ermitteln.

Es war ein wunderschöner Morgen im Gurkenwald.
Die Sonne schien durch die riesigen Gurkenblätter und ließ kleine Lichtpunkte über die Wege tanzen. Alles war friedlich.
Fast.
Denn plötzlich ertönte ein lauter Schrei.
„Neeeeeeiiiin!“
Sunny stand mitten in ihrem Blumenbeet und hielt sich erschrocken die Wangen.
„Meine Sonnenblumen!“
Mitten zwischen ihren bunten Blumen klafften mehrere runde Löcher. Sie waren ungefähr so groß wie Golfbälle.
„Gestern waren sie noch da! Heute sind einfach drei Blumen verschwunden!“
Da kam Gurda angelaufen. Natürlich mit ihrer Tasche. Natürlich mit ihrem Notizblock. Natürlich mit ihrem Kugelschreiber.
„Keine Sorge. Wir untersuchen den Fall ganz systematisch.“
Sie kniete sich vor eines der Löcher.
„Interessant... sehr interessant...“
Sie wollte gerade etwas aufschreiben.
Plopp!
Der Kugelschreiber rutschte ihr aus der Hand. Direkt in eines der Löcher.
„Äh...?“
Alle schauten hinein. Nichts. Der Kugelschreiber war einfach verschwunden.
„Mein Lieblingskugelschreiber!“ Gurda schnappte nach Luft. „Der hatte noch drei Farben!“
Im gleichen Moment hörte man von der anderen Seite des Gurkenwaldes:
„Hilfeeeee!“
Es war Berti. Sein Briefkasten lag quer im Garten. Daneben ein riesiges Loch.
„Ich wollte gerade nachsehen, ob jemand eine Einladung zum Gurken-Grillfest eingeworfen hat...“ Er zeigte auf seinen Briefkasten. „...und plötzlich macht es WUMMS!“
„Jetzt bekomme ich nie wieder Werbung für Gurken-Burger!“
Kurz darauf trafen sich alle fünf Freunde.
Moppi stemmte die Hände in die Hüften. „Freunde! Wir haben einen Fall!“
Flitze sprang sofort auf. „Jaaaa! Abenteuer! Ich suche die Spur!“ Schon raste er los.
„Flitze!“ rief Gurda. „Nicht einfach losrennen!“
Zu spät. Flitze machte genau drei Schritte. Plumps. Ein Bein verschwand bis zum Knie in einem Loch.
„Ich glaube... ich hab eins gefunden.“
„Jetzt reicht's!“, sagte Moppi. „Wir gründen die Gurkenwald-Löcher-Spezialeinheit!“
„Mit Abzeichen?“, fragte Berti.
„Mit Abzeichen!“
„Und Snackpause?“
„Auch Snackpause.“
„Ich bin dabei!“
Die fünf folgten den Löchern. Über Wiesen. Zwischen Gurkenranken hindurch. Unter riesigen Blättern. Immer tiefer in den Wald.
Die Löcher wurden mehr. Und mehr. Und noch mehr.
Sunny zählte irgendwann auf. „Ich bin bei siebenundachtzig.“
„Ich bin schon bei hundertdrei!“, rief Flitze.
„Du zählst dieselben zweimal“, meinte Gurda.
„Ach so.“
Plötzlich blieb Berti stehen. „Pssst... Hört ihr das?“
Alle lauschten. Kratz... Scharr... Buddel...
Ganz vorsichtig schlichen sie näher. Moppi hob langsam ein großes Blatt hoch.
Und da sahen sie sie. Eine winzige Wühlmaus. Mitten zwischen unzähligen Erdhügeln. Sie buddelte fröhlich weiter. Buddel... buddel... buddel... Dabei summte sie glücklich vor sich hin.
„Ach...“ sagte Sunny leise. „Die ist ja niedlich.“
Die kleine Wühlmaus erschrak. „Oh! Hab ich euch geweckt?“
„Nein“, sagte Gurda. „Aber du hast meinen Kugelschreiber gefressen.“
Die Wühlmaus wurde knallrot. „Echt? Ich dachte, das wäre eine besonders harte Wurzel.“
Sie griff in ihre Vorratskammer. Darin lagen: ein Knopf, eine Murmel, eine Socke, zwei Kastanien, eine Gabel... ...und tatsächlich... Gurdas Kugelschreiber.
„Ups.“
„Und meine Blumen?“, fragte Sunny.
„Die standen leider genau über meinem Schlafzimmer. Ich brauchte dringend mehr Platz.“
Sunny musste lachen. „Na gut...“
„Und mein Briefkasten?“ fragte Berti.
Die Wühlmaus schaute beschämt nach unten. „Der war unglaublich schwer. Ich wollte ihn eigentlich nur ein kleines bisschen zur Seite schieben.“
Moppi setzte sich neben die kleine Wühlmaus. „Du bist also gar kein Bösewicht.“
„Nein. Ich suche nur ein schönes Zuhause.“
Alle schauten sich an. Dann grinste Flitze. „Ich kenne eins!“
Nur einen kleinen Spaziergang entfernt lag der Nachbarwald. Dort gab es weiche Erde. Viele Wurzeln. Keine Blumenbeete. Keine Briefkästen. Und jede Menge Platz zum Buddeln.
Die Wühlmaus bekam leuchtende Augen. „Darf ich wirklich dort wohnen?“
„Natürlich!“
Gemeinsam bauten die fünf Freunde einen kleinen Handwagen. Berti packte Proviant ein. Sunny pflanzte der Wühlmaus zur Begrüßung eine Sonnenblume. Gurda zeichnete einen Plan vom neuen Zuhause. Flitze zog den Wagen. Moppi lief vorneweg und sang:
„Wenn fünf Gurken helfen geh'n, kann kein Problem zu groß mehr steh'n!“
Seit diesem Tag blieb der Gurkenwald endlich wieder voller Blumen, gerader Briefkästen und kugelschreiberfreundlicher Wege.
Und die kleine Wühlmaus? Die besucht ihre Gurkenfreunde bis heute regelmäßig.
Allerdings... buddelt sie jetzt nur noch im Nachbarwald.
Zur Sicherheit kontrolliert Gurda trotzdem jedes neue Loch. „Man kann ja nie wissen.“
Und genau deshalb hat sie inzwischen... immer zwei Kugelschreiber dabei.
Ende der Geschichte.
Weitere Geschichten